Mercedes Benz Fashionweek Berlin

Alter Ego

Bildlich und musikalisch versetzen sie uns zunächst in die Zeit der Renaissance und vermischen es mit dem heutigen Zeitgeist der Arbeitswelt. Ein surrealer Übergang wird geschaffen, indem die Models stark geschminkte Gesichter bekommen oder ein komplett rotes Gesicht.

Die Rede ist von Jale Richert und Michele Beil und ihrem gemeinsamen Label Richert Beil. Sie haben zum ersten Mal eine Show für die Berlin Fashionweek gemacht und standardisierte Muster aufgebrochen und mit einer Art Theatershow, welche die Gedankenwelt der Individuen in der heutigen Gesellschaft widerspiegeln soll, sowie die wahre Modewelt präsentieren.

Zu Beginn tragen sie eine Art Tracht und schließlich schwingt es langsam über in Business Anzüge und Oversized Strickjacken und Pullover. Die Zusammenarbeit mit der Juppenwerkstatt Riefensberg, lässt so zwei Couture Looks entstehen. Das zeitlose Design der Arbeitswelt (Anzüge mit klaren Linien) und die der Trachtenwelt. Das interessante jedoch ist die künstlerische Kombination mit den hinzugefügten Details, wie eine große Uhr oder einem rollenden Wagen wie aus der Irrenanstalt. Eines der Models fängt an Geld über den Laufsteg zu werfen und ein anderes fällt beabsichtigt auf den Boden. Auch fällt auf, dass es Menschen wie aus dem Leben gegriffen scheinen. Sie sind wie du und ich, wie wir und ihr. Man fühlt sich teils angezogen, mittendrin und sogar oftmals angesprochen, ja fast identifizierbar. Es ist ein Einblick in unsere heutige Zeit und auch der Einblick in die wahre Modewelt. Junge Labels welche belastet sind von einem Gelddruck (Model wirft Geldscheine) oder die Welt der Fast Fashion Industrie, geringe Qualität von Kleidung und der große Überschuss Gedanke. Dieses demonstrieren sie unter anderem mit einem Model, welches anfängt auf dem Laufsteg zu essen. Das Designer Duo möchte weiterhin damit unterstreichen, dass es kein Körperideal gibt in der Modewelt. Besonders ist ihnen jedoch der Fokus auf Nachhaltigkeit wichtig. Diesen verdeutlichen sie anhand eines Teddybären, welcher während der Show immer wieder sichtbar wird. Kleidung soll für sie kein saisonales Austauschprodukt sein.

 

Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019 Richert Beil - Show - Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2019

 

Photos by Stefan Knauer & John Phillips/Getty Images for MBFW

 

 

Dawid Tomaszewski X Patrizia Aryton

Postmodern und minimalistisch, feminin und unisex verwoben in qualitativen Stoffen und Farben inspiriert von Marrakesch. Ein rotes Samtkleid welches sich zart an die weibliche Silhouette schmiegt und ein gelber Jacquard Suit, der eine kraftvolle Ausstrahlung verkörpert. Diese Kollektion ist eine Kooperation zwischen dem polnischen Ausnahmetalent Dawid Tomaszewski und dem polnischen Luxuslabel Patrizia Aryton, welches auf der Berliner Fashionweek präsentiert wurde.

27 atemberaubende Looks schweben über den Laufsteg und verzaubern durch außergewöhnliche Schnitte und der kraftvollen und zugleich femininen Ausstrahlung das Publikum mit der Intention dahinter Frauen glücklich zu machen. Es ist etwas Großes, etwas Besonderes und vor allem etwas Einzigartiges!

Wir haben Dawid Tomaszewski vor der Show zum Interview getroffen:

://CC Wie würden Sie Ihre Kollektion selbst beschreiben? Sie haben in Ihren Kollektionen immer einen Kunstaspekt der Sie begleitet, ist es diesmal wieder so?

D.T. Aryton hat mich gefragt ob ich eine Capsule Collection für sie mache, mit meinem Know-how und da spielen alle meine verwendeten Elemente aus der Vergangenheit eine Rolle. Wir haben ein bisschen Marrakesch, wir haben Bauhaus, alles was ich liebe! Besonders haben wir tolle Schnitte, der ganz typische Dawid Tomaszewski Schnitt und so viele ,,krass geile“ Mäntel, wenn ich das sagen darf. Ich würde sagen, ein bisschen 80er Jahre Yves Saint Laurent und Marrakesch colours. Neulich war ich sogar in der Villa von Yves Saint Laurent und da gab es so viele tolle Wände und Farben, was wir dann letztendlich in den Stoffen umgesetzt haben. Alles was ich jeden Tag so sehe, wie Streifen, blocking, Bauhaus ist dabei, sowie Military-Style. Zusammenfassend gesagt cross-over Dawid Tomaszewski verbunden mit Aryton.

://CC Wow! Wir sind schon jetzt begeistert, obwohl wir die Show noch nicht gesehen haben! Sie haben bereits für Sonia Rykiel und Comme de Garçons gearbeitet, beeinflussen Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit Ihre heutige Arbeit?

D.T. Oh das ist schon so lange her. Am Anfang habe ich gedacht, dass ich nie die Fehler machen werde, die dort gemacht wurden, auch bezogen auf Praktika die ich gemacht habe. Aber in den vergangen acht Jahren, habe ich genau diese Fehler getan, die ich eigentlich vermeiden wollte. Es ist halt so, man denkt man wäre intelligenter, dann fällt man hin und letztendlich lernt man daraus. Ich habe mein eigenes Label nun seit acht Jahren und bin einfach froh, dass ich überlebt habe. Ich kann weiter wachsen und so viele tolle Projekte angehen, wie diese mit Aryton. Man lernt jeden Tag erneut dazu! Besonders lerne ich so viel von meinen Kollegen, wir tauschen uns aus und dadurch kann man sehen, dass man nie fertig ist.

://CC Wahre Worte! Hatten Sie die Gründung Ihres eigenen Labels eigentlich schon immer vor Augen oder gab es einen besonderen Aspekt in Ihrem Leben, der dazu geführt hat?

D.T. Ich habe damals ein paar Nahpreise gewonnen, ab da habe ich gedacht, okay ich mache das! Eigentlich war es zunächst als Projekt gedacht und acht Jahre später stehe ich nun immer noch hier. Die Zeit vergeht so schnell.. Man macht es und macht es und macht es und es geht immer weiter.

://CC Würden Sie sagen, dass sich seitdem viel verändert hat?

D.T. Auf jeden Fall! Wenn es keine Steigerung oder Veränderungen geben würde, dann würde ich aufhören. Man muss sich immer wieder neu finden.

://CC Wenn Sie sehen, wo Sie heute stehen und zurückblicken auf Ihren Anfang, würden Sie Ihrem alten Ich einen Ratschlag geben?

D.T. Ja und zwar entspannter sein! Ich war so oft in der vergangen Zeit angespannt, verbissen und unnahbar. Jetzt bin ich ganz anders, aber es musste so sein! Man lernt einfach nie aus.

://CC Da haben Sie Recht, nur durch gesammelte Erfahrungen kommt man weiter und kann wachsen. Haben Sie denn eine absolute Traumvorstellung wo Sie noch mit Ihren Kollektionen hin möchten?

D.T. Wenn ich das sagen würde, wäre es kein Traum mehr. Es gibt so viele! Aber mein nächstes Projekt wird erst einmal Homewear sein. Ich bin gespannt, wie das wird. Der Rest meiner Träume, mal kieken, behalte ich erst einmal lieber für mich.

://CC Wie wahr, Träume gehen nur in Erfüllung, wenn man sie für sich selbst behält. Wir freuen uns auf Ihre gemeinsame Show mit Patrizia Aryton und das wir Sie treffen durften!

D.T. Danke euch! Ich freue mich auch schon sehr auf die Show und bin gespannt!

 

Symbiosis – Steinrohner

Inspiriert durch die Natur und die Umwelt erschaffen Inna Stein und Caroline Rohner jedesmal ein wahres Kunstwerk und auch dieses Mal wird der Betrachter hineingezogen in die Flechtenwelt, welche mit Perlen und Strukturen verziert ist und umzogen wird von Seidensamt und Netzstoff. Es ist wie eine Entdeckungsreise in die man hineinschlüpft und nicht wieder hinaus möchte.

Wir haben die zwei jungen Designer zum Interview getroffen, wo sie uns noch einmal einen tieferen Blick hinter ihre Kollektion und auch über ihre Gedankengänge und sich selbst gewährt haben.

 

://CC  Wie würdet ihr eure Kollektion in euren eigenen Worten beschreiben und wovon wurdet ihr speziell inspiriert?

Caroline Rohner  Wir haben uns von Flechten, Flechten auf Bäumen und Steinen inspirieren lassen und haben auch mit Fotos gearbeitet, welche mein Papa von den Bergen aus der Schweiz gemacht hat. Das ist der Ursprung für unsere Kollektion.

Inna Stein  Besonders haben uns dabei die Strukturen inspiriert, das flechtige, dieses weiche samtige. Das war der Grund weshalb wir uns entschieden haben mit Velvet zu arbeiten, weil das die Oberfläche dieser Strukturen perfekt wiedergibt und von diesen Strukturen sind wir auch auf den Namen Symbiosis gekommen. Es spiegelt das Zusammenkommen natürlicher Prozesse wider.

://CC Uns sind ganz besonders immer wieder die Streifen aufgefallen die in den samtigen Stoff eingearbeitet wurden.

Caroline Rohner  Die Strukturen haben auch zu den Formen geführt. Es ist auch oft so, dass wir uns erst einmal von dem Stoff inspirieren lassen und dann geht es weiter zur Silhouette.

://CC Das ist hört sich sehr interessant an. Aber wie genau läuft das nun bei euch beiden ab. Gibt es getrennte Aufgabenbereiche wofür jeder von euch verantwortlich ist?

Caroline Rohner  Gerade im Designprozess ist unsere Arbeit sehr verflossen. Wir stehen oft am selben Skizzenbuch und beide haben einen Stift in der Hand und der Eine fängt an und der Andere malt weiter.

://CC  Ihr macht also keine getrennten Skizzen?

Caroline Rohner  Nein eher nicht. Oft treffen wir uns auch im Urlaub und dort fangen wir dann an, da beide diese Eindrücke haben und dann teilt sich das.

://CC  Es gibt also keine Nachteile an einer Arbeit zu zweit?

Caroline Rohner  Doch beim Administrativen schon. Da teilen wir uns auch auf, damit es schneller geht.

Inna Stein  Damit man einfach nicht solange beschäftigt ist. Da können wir dann auch switchen, wenn zum Beispiel der Eine gerade nicht da ist, dann unterhalten wir uns kurz darüber wie das gemacht ist und dann briefen wir uns gegenseitig.

Caroline Rohner  Es ist aber einfach nicht so sehr geteilt bei uns.

://CC  Also habt ihr euch wirklich gefunden! Ihr habt euch auf der Uni kennengelernt, während eures Studiums. Wie ist es dann zur Gründung eures Labels letztendlich gekommen?

Inna Stein  Also jetzt gründen wir ein Label war das gar nicht. Wir arbeiten bereits seit 2008 zusammen, also seit bald 10 Jahren. Wir haben uns im Studium kennengelernt. Haben direkt das erste Projekt zusammen gestartet und haben dann nie mehr aufgehört weiter zusammen zu arbeiten.

Caroline Rohner  Das hat sich dann auch durch die französischen Strukturen und der Bildwelt ergeben, denn wir haben immer eine riesen Pinnwand und im Studium hat man sofort gesehen, welche Innas und meine ist. Es war einfach eine ähnliche Herangehensweise. Nach der Uni haben wir uns dann für den Berlin Showroom in Paris beworben und wurden auch genommen. Damit war dann auch sofort klar, wir probieren das! Wir wollten in diesem Moment auch nicht zu einem großen Haus gehen, obwohl wir auch Angebote zu zweit hatten, aber wir hatten zu viel Power nach der Uni, welche wir für uns nutzen wollten.

Inna Stein  Wir wollten einfach auf dem Zug weiterfahren!

://CC  Gibt es für euch eigentlich immer wiederkehrende Inspirationsquellen oder habt ihr sogar spezielle Vorbilder?

Caroline Rohner  Wir sind immer von der Natur inspiriert. Sie ist für uns nicht vergänglich und entwickelt sich immer weiter. Jeder kann sich damit identifizieren. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen und Bilder. Das ist das was uns verbindet.

Inna Stein  Wir lassen uns aber auch von Reisen und den damit verbundenen Eindrücken inspirieren.

://CC  Also wie bei dieser Kollektion von den Bergen! Jetzt mal zum Thema Fashionweek, wie empfindet ihr diese?

Inna Stein  Besonders dieses Jahr freut uns natürlich sehr, dass es im Kaufhaus Jandorf stattfindet. Es ist wahnsinnig schön und einfach Berlin.

Caroline Rohner  Auch das die Architektur so mit eingebunden ist. Berlin hat so tolle Gebäude!

Inna Stein  Als wir gehört haben, dass es hier stattfinden soll, waren wir direkt begeistert! Wir hatten sofort Lust darauf.

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Burning Desire/ Fashiontalk #mbfw

„Burning Desire“ heißt die diesjährige Kampagne der Mercedes Benz Fashionweek in Berlin. Eliot Sumner und Lucie von Alten wurden auserwählt dieses Statement in Szene zu setzen. Die entsprechende Kleidung designte der Georgier David Koma. Das Outfit der Sängerin Eliot Sumner ist abgestimmt an ihre maskuline Austrahlung. Lucie von Alten dagegen trägt einen knielangen Rock und hohe Schuhe, welche die feminine Rolle widerspiegeln. Das Motto „Burning Desire“ wird begleitet durch Flammen und einer Tänzerin im Hintergrund, welche das Verlangen und die Gefahr zugleich präsentieren sollen. Verantwortlich für die Perfektion des Filmes ist Christian Larson. Der schwedische Filme und Videomacher hatte zudem die Idee des brennenden Mercedes Benz Logos, um das starke Statement zu unterstreichen. Mercedes Benz ließ dem Team viel Freiheit am Set, um eigene Ideen zu verwirklichen und umzusetzen. Eliot Sumner und Lucie von Alten wurden nicht ohne Grund auserwählt, denn sie präsentieren die Aussage der Kampagne durch ihre bewusste und selbstsichere Ausstrahlung.

 

v.l.n.r. David Koma, Lucie von Alten, Eliot Sumner und Christian Larson

v.l.n.r. David Koma, Lucie von Alten, Eliot Sumner und Christian Larson

Thomas Hanisch #mbfw

Thomas Hanisch hat eine neue Welt der Cruella de Vil geschaffen. Ganz nach dem Motto „Morality isn’t black and white“ schuf der Jungdesigner die Avantgarde Couture Kollektion. Enge Latex Kleidung trifft auf Pelz und Hahnentritt. Der Zuschauer verfällt in ein Spiel zwischen Gefahr und Anziehung. Rot geschminkte Augen und eine moderne Neuinterpretation der Cruella. Zwischendurch eine fast scheinbar neue Welt aus bunten Farben und großen Sonnenbrillen sorgen für den gewissen Hauch von Moderne.

Thomas Hanisch