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Eine Duftreise durch die Einzigartigkeit

Es ist ein Dufterlebnis durch Blumen, Sandelholz, Lavendel, Wacholder, Bergamotte und vieles mehr. Riesige Apothekengläser die einen begrüßen und eine minimalistisch Einrichtung. Ein Ort, an dem man sich einzigartig fühlen kann und auch so behandelt wird. Keinen Druck verspürt etwas kaufen zu müssen, sondern sich Zeit zu lassen. Ein Bild von einer älteren Dame an der Wand unterstreicht das entspannte und vertraute Ambiente. Doch sie ist nicht irgendeine Dame. Sie ist die Großmutter von Stefanie Hanssen, Gründerin des Labels Frau Tonis Parfum. So heißt ihre Oma auch, Frau Tonis. Ihre Inspiration für das Label. Es ist der rosige Duft ihrer Oma der ihre Kindheit begleitet hat. Der Sinn für das Besondere, der ihr mitgegeben wurde, sich nicht dem Massenkonsum anzupassen, sondern das Gespür für das ausgefallene und einzigartige zu bekommen.

Wir haben diese selbstbestimmte Frau zum Interview getroffen:

://CC Erzählen Sie doch mal Ihre Geschichte, von der Idee bis hin zur Eröffnung des eigenen Stores.

S.H 2009 ist diese Idee aus zwei Teilen heraus entstanden. Zum einen, weil es so eine Art der Parfümerie in Berlin noch nicht gegeben hat. Ich habe aber auch nach einem ganz bestimmten Duft gesucht, welchen ich an einer Dame in der Philharmonie geschnuppert habe. Ich habe mich nicht getraut zu fragen, welcher es ist. Dieser Duft war unglaublich schön. Er roch sogar fast medizinisch, grün und frisch. Ich war so verblüfft, dass wenn man so einen Duft im Kopf hat und ihn sogar beschreiben kann und klassifizieren, man nirgends damit Erfolg hat. In den Parfümerien oder Kaufhäusern wurden mir nur die neuesten Kreationen angeboten und zugehört hat mir niemand so wirklich. Daraus ist dann letztendlich die Idee entstanden. Zusammen mit Christoph Niedermeier habe ich einen Businessplan entwickelt und haben gehofft das wir eine Berliner Bank mit ins Boot ziehen können. Leider empfanden sie diese Idee absurd, eine Nischen Parfümerie mit Autodidakten zu gründen. Dann mussten wir zurück ins Ruhrgebiet, wo wir herkommen. Dort haben wir endlich Finanzierungshilfe erhalten. Benannt haben wir die Parfümerie dann nach meiner Großmutter. Es ist eine Hommage an sie, da sie der wichtigste Mensch in meinem Leben ist, sie ist jetzt 89 Jahre. Sie hat mir am meisten mit in die Wiege gelegt, wie die Wertschätzung von Manufaktur Produkten. Ob es das Schneidern von ihren Kleidern war oder ihr persönlicher Rosenduft, den es jetzt auch bei uns in der Parfümerie gibt. Sie hat Wert auf das Besondere gelegt. Wenn ich jetzt zurückblicke, auf die vergangenen Jahre, was schon wildes passiert ist, freue ich mich jeden Tag aufs Neue, dass ich es gewagt habe. Aber auch, dass ich so viel Zuspruch bekommen habe. Die Leute mögen es, sich wirklich auf Düfte einzulassen und zu merken, dass wir hier nicht diesen irren Verkaufsdruck haben.

://CC Eine schöne Geschichte! Ihre Großmutter kann wirklich stolz auf sie sein. Wie aber funktioniert die Herstellung Ihrer Düfte?

S.H Wir sind zwar Autodidakten, aber wir lassen unsere Düfte produzieren. Jedoch nur in Europa, in Grasse. Wir fahren dort regelmäßig hin und schauen nach, wie die Produktion läuft. Wir arbeiten dort mit einer Parfümerie zusammen, welche es seit 1748 gibt. Die haben also auch die Top Kompetenz. Wir entwickeln gemeinsam neue Düfte. Zuerst sind sie in unseren Köpfen, dann wird gebrainstormt und experimentiert. Die Entwicklung eines Duftes, können wir allerdings nur mit Profis zusammen machen. Die wissen genau darüber Bescheid, welche Mengenverhältnisse nötig sind. So eine Duftentwicklung kann dann meist sogar bis zu zwei Jahren dauern.

://CC Und wie viele Düfte verkaufen Sie zur Zeit hier im Laden?

S.H Auf der mittleren Insel im Laden, sind es 31 Eau de Parfum und dann haben wir noch eine kleine Auswahl an Eau de Cologne, weil es für viele Menschen bereits zu intensiv ist. Viele sind es gar nicht mehr so gewohnt, die kaufen Eau de Toilette. Das hat einen viel höheren Alkoholanteil, warum es auch schneller verfliegt. Da muss sich die Nase erst einmal wieder an einen so intensiven Duft gewöhnen.

://CC Sie verwenden viele natürliche Inhaltsstoffe, bedeutet das auch, dass es dazu beiträgt schneller zu verfliegen?

S.H Nein auf keinen Fall. Natürliche Inhaltsstoffe bedeutet für uns, dass wir es wirklich in Europa produzieren. Aber auch die Menge an Blüten die pestizidfrei in der Regel in Frankreich verwendet werden. Es kann aber auch immer sein, dass synthetische Stoffe hinzu kommen. Auf den Punkt gebracht, es ist so viel Natur drin und so viel ethisches Arbeiten wie möglich. Aber Synthetik kann man heutzutage kaum noch ausschließen.

://CC Was letztendlich sorgt also dafür, dass ein Duft schneller verfliegt?

S.H Ein zitrischer Duft zum Beispiel. Der Duft lagert sich, aufgrund der Moleküle nicht komplex an. Wenn sie diesen zum Beispiel  mit einem orientalischen Duft vergleichen, vollmundig und schwer, ist dieser von den Molekülen ganz anders gebaut. Zitrische Düfte sollen schnell beleben und schnell wirken, aber dadurch verfliegen sie auch schneller. Generell ist aber zu sagen, dass Eau de Parfum Düfte viel länger an der Haut haften als Eau de Toilette, dass liegt an der Menge des Alkoholanteils.

://CC Nun haben wir auch gelesen, dass man hier seinen eigenen Duft kreieren kann. Wie beraten Sie denjenigen dann am Besten?

S.H Am Besten, sollte derjenige vorher anrufen und dann schließen wir den Laden nur für ihn, damit wir in aller Ruhe beraten können und uns nur auf die Düfte konzentrieren können. Zudem sind wir sehr neugierig und fragen viel. Es beginnt mit simplen Fragen, wo die Vorlieben liegen. Ist jemand Fan von blumigen Düften oder eher orientalischen. Soll der Duft einen durch den Tag tragen oder darf er abends lauter und exzentrischer sein. Vieles läuft aber auch über Augenkontakt ab, denn Augen lügen nicht. Man stellt so ganz schnell fest, ob der Duft dem Kunden wirklich zusagt. Wenn wir einen gefunden haben, fangen wir an, ihn auf der Haut aufzutragen. Denn die Haut stahlt einen Duft ja nochmal ganz anders aus. Wir stellen dann eine Komposition zusammen, der Kunde bekommt den Duft mit, darf ihn allerdings drei Tage nicht verwenden, weil sich die Moleküle neu mit einander verbinden müssen. Bedeutet luftdicht und dunkel lagern. Seit 2009 haben das bereits 5000 Menschen gemacht, die einfach Lust hatten so zu riechen wie kein anderer. Genau das ist sicher auch der Reiz daran.

://CC Was glauben Sie denn, was ein Duft über eine jeweilige Person aussagt?

S.H Ich glaube, dass Düfte manchmal Dinge hervorheben sollen. Mir fällt das auf, wenn sehr taffe, kräftige Frauen zu uns kommen und ganz ganz zarte Blütendüfte möchten. Ich denke, dass es eine Sehnsucht ist, die Düfte manchmal bedienen sollen. Das ist so, als möchte sich derjenige einhüllen oder kleiner machen. Im Gegenzug ist es uns auch schon passiert, dass zum Beispiel zarte junge Spanierinnen zu uns kommen und Düfte wählen, wo es so richtig krachen kann. Tabak, Leder, Weihrauch. Das macht sie vielleicht unbewusst größer. Wir denken, dass Düfte Eigenschaften hervorheben sollen, die derjenige subtil mit sich bringt und die er sonst gar nicht anders zum Ausdruck zu bringen weiß. Man ist oft überrascht über die Wahl, da einen das optische Erscheinungsbild täuscht. Die Optik hat mal nichts zu sagen. Es gibt Menschen die aus Neukölln zu uns kommen, die haben zwei Boxer an der Leine, sind in Joggingklamotten gekleidet, haben aber eine riesen Ahnung von Parfüm.

://CC Eben, dass Aussehen oder eben das Optische sagt nichts aus. Da haben Sie sicher schon eine Menge erleben dürfen. Wie ist es denn überhaupt zu diesem Design mit den großen Apothekerflaschen gekommen?

S.H Es ist die Philosophie, dass wir mal gesagt haben, weniger ist mehr. Es wird keine Kampagne geben, es gibt keine Idee Anzeigen zu schalten mit dem hundertsten halbnackten Model. Die Idee einfach dahinter, herzukommen und von nichts abgelenkt zu sein. Less is more. Aber auch den Laborgedanken zum tragen zu bringen. Es ist ein bisschen ätherisch. Wir sind sehr reduziert, der Kunde soll an dem Apothekerstopfen riechen.

://CC Man lässt sich auch viel zu schnell von so vielen Dingen ablenken. Da kommen wir auch gleich zur nächsten Frage, was sagen sie zu den ganzen Parfümindustrien? Überall laufen meist dieselben Werbungen, da fragt man sich dann schnell ob die Menschen den Sinn für das Besondere verloren haben?

S.H Ich gucke da schon sehr kritisch drauf. Parfüm kann so viel mit einem selber machen, aber eigentlich ist es so, dass die Industrie immer nur dieselben Themen bedient. Sei es das halbnackte Mädchen oder der halbnackte Junge, welche ästhetisch und überirdisch schön sind und unterm Strich aber trotzdem nur das Parfüm wie den heiligen Gral in die Kamera halten. Für mich ist es immer so austauschbar. Inzwischen riechen die großen Marken oftmals so ähnlich. Andererseits ist es aber auch toll für Nischen Parfümerien. Denn genau da können sie sich behaupten. Auch an dem Zuspruch den wir bekommen, sehen wir, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

://CC Das stimmt, dass bedeutet Sie kommen hier bei den Berlinern gut an?

S.H Ja! Wir freuen uns sehr über die Wahrnehmung. Das macht einfach Spaß zu sehen uns gehts nicht alleine so und die Leute lieben es.

://CC So ein Zuspruch lässt einen ja auch weiter wachsen! Ist denn der einzige Laden, der hier in Berlin?

S.H Genau, der wird auch hier bleiben! Die Idee so zu bleiben, wie wir sind. Mit einem kleinen Team, mit einem kleinen Angebot. Vielleicht bin ich auch für so richtig große Geschichten nicht geschaffen. Bedeutet einfach, dass die Verbreitung der Marke über Wiederverkäufer funktioniert. In erster Linie lief das über Concept Stores. So habe ich am Ende auch noch Zeit für meinen Sohn, der jetzt 12 ist. Ab einem gewissen Punkt, müsste ich sonst ganz viel abgeben, was ich gar nicht wollen würde oder aber ich müsste schauen, dass ich um 22 Uhr nach Hause komme.

://CC Es soll ja auch einfach etwas Besonderes und Einzigartiges bleiben. Wie viele sind sie jetzt hier im Team?

S.H Es gibt in der Grafik zwei, von der Produktgestaltung bis hin zur Website. Dann haben wir im Marketing vier Leute. Christoph und mich dazu und in der Regel sind dann noch zwei Leute da, die den Laden schmeißen.

://CC Und das Team kreiert neue Düfte mit?

S.H Genau, denn sie haben am meisten Kundenkontakt und wissen was sich die Menschen an Düften gerade wünschen. Wir haben seit drei Jahren auch mindestens immer wieder einen neue Duft im Portfolio pro Jahr, mindestens. Eigentlich aus eigener Lust heraus. Duft als Inspiration ist auch unser Motto und dadurch leben wir das auch aus.

://CC Was hat sich denn seit Ihrer Gründung verändert?

S.H Eigentlich alles! Und ich denke, dass ist auch Teil der Entwicklung. Wenn ich zurückblicke, wie wir unsere Düfte präsentiert haben. Wir sind sehr nostalgisch gestartet. Da gab es Flakons die sahen aus, wie aus den 20er Jahren. Auch das Logo hatte so eine irre verschnörkelte Art. Bis wir zu dem Punkt gekommen sind, top minimalistisch zu sein. Ich denke am Anfang waren wir schon sehr auf meine Großmutter fixiert, die Hommage an sie drückte sich auch in der Gestaltung aus. Und heute sind wir einfach sehr Berlin. Die Marke bleibt jung, da sie sich schon sehr geändert hat.

://CC Und wenn Sie jetzt zurückblicken auf Ihren Anfang und sehen, wo Sie heute stehen. Worauf sind Sie besonders stolz?

S.H Eigentlich auf die Mitarbeiter. Weil das Prinzip so toll funktioniert hat. Die Idee hier im Laden anders mit den Leuten zu sprechen, kommt unheimlich gut an. Hier gibt es eine Beratung und keinen Verkaufszwang. Wir wollen nicht, dass die Leute am Ende rausgehen und sagen oh Gott waren die nervig! Wir möchten nur Leute um uns, die Autodidakten sind und die Liebe zum Duft haben. Wir haben Dolmetscher, Psychologen, Leute die Kunstgeschichte studiert haben. Die meisten kommen aus den verschiedensten Richtungen und treffen sich hier, weil sie eine Menge über Parfüm wissen. Und genau das macht mich so stolz, weil wir da so oft das Feedback bekommen, dass wir so tolle Leute hier haben.

 

Und auch in diesem Jahr hält die Parfümerie wieder eine Veränderung bereit. Ein Schritt weiter. Sie möchten noch freundlicher wirken und haben sich entschieden, ihre Flakonetiketten in Weiß zu halten. Momentan sind sie noch Schwarz. Aber um das offene, freundliche und vertraute noch zu unterstreichen, haben sie sich für Weiß entschieden.

Stefanie Hanssen

 

Photos by Frau Tonis Parfum

More Information: Frau Tonis Parfum Berlin

Stella Lavinia | Trails

Eine Designerin die ein Konzept hat, was uns auf Anhieb sympathisch erscheint. Stella Lavinia’s Kollektion beruht auf dem Motto slow fashion. Die Kleidung soll über mehrere Saisons getragen werden. Ein Weg, weg von dem heutigen Stress und Druck. Im August 2016 hat sie ihren Modedesign Abschluss an der Best-Sabel Schule in Berlin gemacht. Die Kollektion Memento Vivere hat den Absolventenpreis gewonnen.

Nun hat sie eine neue Kollektion entworfen. Trails beruht auf alten Kriegsbriefen von ihrem Großvater. Im Jahr 2012 besuchte sie während ihrer USA Reise Huntsville, den Ort an dem ihr Großvater Krieg stationiert und als Architekt tätig war.

Die Designerin beschäftigte sich mit der Zeitepoche und besonders mit der Mode aus den 40er Jahren. Verwendung von Materialien wie Seide, Wolle und Schnittführungen wie Tellerröcke und Morgenmäntel. Sie kreierte und entwickelte eine Kollektion ihrer eigenen Interpretation. Die Kleidung erscheint oftmals sehr ausgefallen, aber trotz allem tragbar.

Stella Lavinia setzt auf Farben, aus Erfahrungen ihrer Kindheit auf Mallorca. Sie verwendet zudem Seide, Wolle und Baumwolle, wichtig sind ihr hochwertige Stoffe. Ihre Kleidung wird in Berlin produziert, von der Idee bis zum fertigem Produkt.

In Kürze wird ein Onlineshop eingerichtet und im Oktober soll ein Pop-Up Store eröffnet werden.

Auf der Fashionweek Berlin hat sie bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen!

 

Photography by Lucas Christiansen

Hair & Makeup by Melissa Righi

 

Édition Flora Steinrohner #mbfwb

Diesmal ist es wieder eine Reise durch die Natürlichkeit der Natur. Eine Welt der Blumen, wie die Biene von Blume zu Blume fliegt, fühlt sich das Publikum beim Anblick der neuen Kollektion Flora von Steinrohner. Schon bei Betreten des Catwalks wird klar, man ist in einer Welt des Blumenmeers gelandet. Es stehen große Vasen mit den buntesten und farbenprächtigsten Blumen am Rande des Catwalks, welche die Show unterstreichen sollen.

Viola, Iris, Tiger Lily und Butterblümchen heißen die verschiedenen Kreationen der Kollektion, passend zum Namen Flora. Der Betrachter schwebt in einer spannenden Fantasieblase zwischen feenhafter Kleidung und intensiven Farben wie gelb oder mal einem Silber dazwischen. Eine Mischung die auch die Blumenwelt verspricht. Aber nicht nur die Farben scheinen interessant, auch die Stoffe. Denn diesmal haben die beiden Designerinnen Inna Stein und Caroline Rohner mal etwas anderes gewagt und mit Plastik gearbeitet. Eine durchscheinende Plastikjacke mit zarten Blumenprints.

Die Kreationen sind so unterschiedlich und doch passen sie zusammen, wie die Welt der Blumen. Sie passen alle zueinander und können doch so verschieden sein. Mal farbenfroh, mal ein zartes leichtes Rosa oder ein helles Weiß, wie die Lilie. So zart wie die Lilie, haben die Beiden die Kreation Tiger Lily kreiert. Ein durchschimmerndes Kleid, mit weißen, abstehenden Lilien versehen. Wie die Lilie, so leicht scheint dieses Kleid über den Catwalk zu schweben und die Blicke auf sich zu ziehen.

 

Wir haben im Anschluss der Show Inna Stein zum Interview getroffen:

://CC Wie würdet ihr eure Kollektion selbst beschreiben?

Steinrohner Unsere neue Kollektion heißt Édition Flora. Inspirieren lassen haben wir uns durch Blumen, besonders durch die Vielfalt der verschiedenen Blumen. Auf das Thema sind wir durch ein Buch gekommen, welches Caroline von ihrem Vater geschenkt bekommen hat. In dem Buch sind alte Lithographien enthalten. Dann haben wir angefangen uns mit Lithographien näher zu beschäftigen und Dingen aus alten Zeiten. Der Aspekt was Altes in etwas Neues umzusetzen. Etwas Modernes zu schaffen aus etwas was schon älter ist. Das mit floralen Themen zu kombinieren. Wir haben ja immer natürliche Inspirationsquellen. Die bleiben immer zeitlos.

://CC Ihr habt euren Kollektionen verschiedene Namen gegeben, wie ist es dazu gekommen? Wie seit ihr darauf gekommen?

Steinrohner Jeder Stoff den wir ausgewählt haben, hat uns an eine andere Blume erinnert. Wie Jasmin, das ganz Plain weiße. Dann hatten wir aber auch Daisy, für den gewobenen Stoff mit den Fransen. Jeder Stoff und die Art diesen zu verarbeiten hat uns an eine Blume erinnert. Und wir benennen unsere Kollektionen immer nach natürlichen Themen.

://CC Und wie habt ihr eure Stoffe diesmal ausgewählt? Da ihr sogar Plastik verwendet habt.

Steinrohner Die Idee ist aus der Kooperation mit den Smartphone Cases entstanden. Wir wollten nicht nur die Cases, sondern auch richtige Teile aus Plastik kreieren. Also Taschen, Accessoires. Dann haben wir überlegt wie man das am besten umsetzen könnte. Ich hab das so in dieser Richtung auch noch nie gesehen.

://CC Wie war das dann mit der Verarbeitung? War das nicht besonders schwer?

Steinrohner Da musste man sehr lange ausprobieren. Das legt sich nicht, wie man das sonst kennt. Man kann das auch nicht nähen, sondern nieten. Dann musste man genau die Millimeter Angaben der Nieten Stärken herausfriemeln. Damit das auch wirklich alles klappt. Auch die Techniken, wir haben da viel mit Papier ausprobiert. Das hat uns wiederum an Blumenformen erinnert. Es gibt ja auch teilweise diese Origami Technik, welche wir mit einfließen lassen haben.

://CC Und zu eurer Kollektion hattet ihr diesmal teils silberne Schuhe mit intensiv gelben Strümpfen.

Steinrohner Das ist für uns ein Natürlich, Unnatürlich Kontrast. Wir finden es immer interessant mit Kontrasten zu arbeiten. Nicht immer ein Thema durchzuarbeiten, sondern auch Brüche zu schaffen. Latex ist ja eher aus der fetisch Branche, damit wollten wir das liebliche, der blumigen Ästhetik auflockern. Ein bisschen aufbrechen und etwas wagen.

://CC Das ist euch gelungen! Wie war eure Zusammenarbeit denn diesmal?

Steinrohner Wir haben sehr viel zusammengearbeitet wieder. Also viel zusammen geplant und eigentlich alles zusammen gemacht.

://CC Hat sich denn viel seit der letzten Fashionweek bei euch verändert?

Steinrohner Wir haben viel Aufmerksamkeit dazu gewonnen, sehr viel neue Fans, die sich jetzt auch etablieren. Neue Läden in Dublin, in der Schweiz und in Italien eröffnet. Daran wollen wir weiterhin anknüpfen.

Photos Michael Wittig

Ivanman #mbfwb

Intensives Blau, gemischt mit tiefem Schwarz. Das sind wohl die Farben die in der neuen Frühjahr/Sommer Kollektion 2018 von Ivanman klar hervorstechen.

Inspiriert wurde der Designer Ivan Mandzukic diesmal vom Aktionskünstler Joseph Beuys. Die für Beuys typische Weste kombiniert mit der klassischen Arbeitskleidung. Kunst und Arbeitskleidung harmoniert mit Schnürungen in einem Gelb oder Grün und den praktischen Taschen.

Ein Zusammenspiel, welches den Betrachter nicht an Aufmerksamkeit verlieren lässt. Ein sommerlicher Look und doch vereinzelt die typischen Ivanman Oversized Jacken und Mäntel in den Farben Schwarz und Blau. Trotz neuer Ideen, bleibt Ivanman auch in dieser Kollektion seinen alten Mustern wieder treu und schafft eine beeindruckende Mischung zwischen alt und neu.

IVANMAN MBFW Berlin SS18

IVANMAN MBFW Berlin SS18

IVANMAN MBFW Berlin SS18

IVANMAN MBFW Berlin SS18

IVANMAN MBFW Berlin SS18

Photos KOWA BERLIN

 

Der Visualist einer nicht perfekten Schönheit

Foto: Jirka Jansch, 2017 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Foto: Jirka Jansch, 2017 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH

 

So viel Natur, Landschaft und Nähe zur Natürlichkeit bis hin zur Normalität schafft nur Juergen Teller seinem Publikum entgegenzubringen. Mit seiner Kunst kommt er nach seiner Zeit in London zurück in seine Heimat Deutschland. Nun läuft seine Ausstellung „ENJOY YOUR LIFE!“ bis zum 03. Juli im Martin Gropius-Bau in Berlin. Er setzt den Fokus immer mehr auf seine Heimat, Deutschland.

Dieser Eindruck wird bereits im ersten Raum der Ausstellung vermittelt. Er trägt den Namen „I love my Mum, I love Germany“. Es ist ein tief emotionales Thema von Teller, welches er in seinen Arbeiten hervorhebt. Der rote Faden der Ausstellung hangelt sich entlang an Wäldern und Landschaften. Er ist auf der Suche nach seinen Wurzeln und den Fragen „Wo komme ich her?“ „Was macht mich aus?“. Diese Auseinandersetzung endet im letzten Raum mit kanadischen Waldlandschaften.

Sein Stilmittel ist das Porträt. Er schafft es eine nicht perfekte Schönheit zu visualisieren. Dabei bindet er seine Familie und besonders seine Mutter immer mit ein. Sie stellen Bindeglieder einer Überschneidung von kommerzieller und nicht kommerzieller Fotografie dar. Mit den Werken „Irene im Wald“, 2012 oder auch „Bilder und Texte“, 2011 widmet er sich an seine Jugend und Heimat.

Er offenbart dabei sein intimstes privat Leben und seiner Ehefrau, seinen Kindern. Er scheut nicht davor sein Leben preiszugeben und stellt sich selbst, mit seiner Frau, Kindern und seiner Mutter nackt auf dem Grab seines Vaters dar.

Der Titel „ENJOY YOUR LIFE!“ ist die Synthese Tellers Weltanschauung, welche an die Extreme der Normalität getrieben wird. Sie soll dem Betrachter das Gefühl der Glückseligkeit vermitteln.

Juergen Teller erwartet von seinen Modellen die Bereitschaft zum Unverfälschten und Ungeschönten, so, wie sein ehrlicher, neugieriger und unverstellter Blick auf das Motiv. Er bekleidet sie mit ihrer eigenen Haut. Die Charaktere die er abgelichtet hat, sind nun Bewohner seines eigenen Waldes.

„Was mich letztlich einzig und allein interessiert, ist die Interaktion zwischen zwei Menschen. Einer von denen bin ich, der Fotograf. Und wenn mich diese Begegnungen berühren, dann ist es gut.“-Juergen Teller. 

Juergen Teller: Anne & Elisa No.1, Man About Town Magazine Cover Spring/Summer 2016 © Juergen Teller

Juergen Teller Peter Lindbergh kissing my Mum, Schloss Bellevue, Berlin 2016 © Juergen Teller

Juergen Teller: Peter Lindbergh kissing my Mum, Schloss Bellevue, Berlin 2016 © Juergen Teller

Juergen Teller Vivienne Westwood No. 3 London 2009 © Juergen Teller

Juergen Teller: Vivienne Westwood No. 3 London 2009 © Juergen Teller

Juergen Teller Charlotte Rampling, a Fox, and a Plate No.15, Latimer Road, London 2016 © Juergen Teller

Juergen Teller: Charlotte Rampling, a Fox, and a Plate No.15, Latimer Road, London 2016 © Juergen Teller

 

Her mit den Kristallen!

Am Donnerstag, den 16. Februar haben Christiane Arp, Chefredakteurin der Vogue Deutschland, Swarovski und das KaDeWe eine exklusive Design-Reception in Berlin veranstaltet.

Die Design-Talente des Vogue Salon William Fan, Marina Hoermanseder, Tim Labenda und René Storck präsentierten ihre handgefertigten, mit Kristallen geschmückten Entwürfe, welche noch bis Ende der kommenden Woche im KaDeWe zu kaufen sind.

Die Entwürfe werden zudem in der März-Ausgabe der Vogue Deutschland zusehen sein. In einem 16-seitigen Fashion-Editorial werden die schönsten Werke der Designer gezeigt.

Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Kollektion: Tim Labenda
Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Kollektion: Marina Hoermanseder
Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Kollektion Marina Hoermanseder
Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Kollektion William Fan
Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Designer Rene Storck   Foto: Harald Fuhr für VOGUE

Designer Rene Storck
Foto: Harald Fuhr für VOGUE

It’s The Fashion, Stupid!

,,Mode kennt heute keine Grenzen mehr; sie durchdringt alle Bereiche des Lebens. Was bedeutet das für die Gesellschaft – und wie ziehen wir Nutzen daraus? “

Unter diesem Motto hat die achte Zeitmagazin und Vogue Konferenz die Fashionweek in Berlin eingeleitet. Dazu wurden internationale Gäste von Anum Bashir, Creative Consultant and Influencer bis hin zu Chris Dercon, ehem. Direktor, Tate Gallery of Modern Art (London) eingeladen um über dieses Thema zu diskutieren und den Stellenwert der Mode in der heutigen Gesellschaft einzuordnen und klarzustellen.

Doch einen ganz besonderen Denkanstoß an den heutigen Stellenwert der Mode in der Gesellschaft hat wohl Livia Firth, Creative Director, Eco Age Ltd. gegeben. Nachdem sie nach Bangladesch gereist ist und verstanden hat, was Fast Fashion überhaupt bedeutet und geschockt war über die Zustände und den Stellenwert der Arbeiter in den Fabriken hat sie beschlossen ihr eigenes Label zu gründen um etwas zu verändern. Livia Firth ist der Meinung, dass es möglich ist, etwas zu verändern, es jedoch alleine in der Hand des Konsumenten liegt. Viel zu schnell kaufen wir heutzutage Klamotten, weil sie preiswert sind und verschwenden keinen weiteren Gedanken, was für ein grausamer Weg der Produktion dahinter steht.

Eco Age arbeitet inzwischen mit großen Labels zusammen und zeigt, dass eine Veränderung und ein Umdenken der Gesellschaft nicht unmöglich scheint.

Aber auch einer der wohl interessantesten Designer in Berlin, William Fan hat eine spezielle Sicht auf die Mode heutzutage. Für ihn gilt besonders, dass die Mode beständig und langlebig sein sollte, was er immer wieder in seinen Kollektionen widerspiegelt. Seine Klassiker sind ein weites Hemd, eine gut geschnittene weite Hose und ein Blazer.

Ingo Wilts, Chief Brand Officer, Hugo Boss hat in seinem Gespräch mit Christiane Arp, Chefredakteurin, Vogue besonders verdeutlicht, dass es in der Mode heute keine Grenzen mehr gibt. ,,Selbst die Frau kann weite Hosen anziehen.“

Christiane Arp hat die Konferenz mit sehr zutreffenden Worten beendet, ,,es zeigt, wie viele Facetten die Mode heutzutage hat.“

Im Gespräch Christiane Arp und Livia Firth. Foto: Vogue Germany

Christiane Arp

Christiane Arp

Livia Firth

 

 

Trippen

Trippen ist ein Berliner Label, welches sich ganz bewusst auf Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Langlebigkeit konzentriert und diese Dinge mit einer gewissen Ästhetik verbindet.

Die Designer Angela Spieth und Michael Oehler hatten die Idee, Schuhe auf eine andere Art und Weise zu entwerfen und herzustellen. Sie konzentrierten sich auf den Austausch von einzelnen Komponenten um sich so der Nachhaltigkeit hinzugeben. Dabei war ihnen aber auch die Ästhetik sehr wichtig, weshalb einer ihrer Hauptinspirationsquellen die Tradition des Bauhaus darstellt, sowie die Stilrichtung des Konstruktivismus.

Des Weiteren finden sich Inspirationen in der Russischen Avantgarde wieder. Die geometrischen Arbeiten des Malers Kasimir Malewitsch und auch die grafischen Skizzen und Architekturprojekte von Wladimir Tatlin.

Die Kollektion Frühjahr/Sommer 2017 lehnt an Einflüssen aus Architektur, Malerei und Fotografie. Dabei hat ganz speziell die Fotoserie eines befreundeten Grafikers eine große Rolle gespielt, deren Zeitschriftenportraits mit Pflanzenteilen zu Collagen zusammengefügt wurden. Es soll beim Betrachter Irritation ausgelöst werden, was sich in der Kollektion bei dem Wechsel aufgenähter, geprägter oder foliierter Streifen mit dem Zusammenspiel der darunterliegenden Schaftteile widerspiegelt.

Die Schuhe haben einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert, durch die besondere Schnitttechnik und ihre Gestaltung, weshalb auch bereits einige Designer, wie Issey Miyake eine Kollaboration mit dem Label eingegangen sind. Aber auch eine Vielzahl internationaler Designpreise unterstreichen den Erfolg des Labels.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sample-Cm #mbfw

Mit einem Fahrstuhl geht es weit unter die Erde, jenseits jeder Normalität. Die Türen gehen auf und zugleich öffnet sich eine neue Unterwelt. Ein leicht beleuchteter Weg begleitet mit Musik führt zu dem vermeintlichen Catwalk. Wäscheleinen hängen an den Wänden und werden mit Oberteilen der Models behängt. Nasses Haar, glänzende Haut und eine Unterwasser Kollektion ergeben die Perfektion des Geschehens. Die französische Designerin Margot Charbonnier ließ ihr Publikum in eine imaginäre Unterwasserwelt abtauchen. Bläulich installiertes Licht begleiten das Gefühl der Unterwasserwelt, während die Models entweder mal ein Oberteil ausziehen und es aufhängen und ein Badeanzug zum Vorschein kommt oder ein bereits hängendes Oberteil neu in Szene setzen. Das Kollektionsprojekt „grand bassin“ (don’t think before you leap) ist inspiriert durch Sport und Activewear. Schichten aus wässrigen Oberflächen und Racerback Cuts. Die Kleidung der französischen Designerin soll als ganzheitliche körperliche Praxis angesehen werden.

 

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Thomas Hanisch #mbfw

Thomas Hanisch hat eine neue Welt der Cruella de Vil geschaffen. Ganz nach dem Motto „Morality isn’t black and white“ schuf der Jungdesigner die Avantgarde Couture Kollektion. Enge Latex Kleidung trifft auf Pelz und Hahnentritt. Der Zuschauer verfällt in ein Spiel zwischen Gefahr und Anziehung. Rot geschminkte Augen und eine moderne Neuinterpretation der Cruella. Zwischendurch eine fast scheinbar neue Welt aus bunten Farben und großen Sonnenbrillen sorgen für den gewissen Hauch von Moderne.

Thomas Hanisch