Admin

pearly wong #mbfwb

Pealry_header1

Pearly Wong, die wohl herzlichste Begegnung auf der Mercedes-Benz Fashionweek in Berlin, stellte am Dienstag ihre Spring-Summer-Kollektion für das Jahr 2016 vor. Dem neusten Trend von Functionwear gerecht werdend, sehen wir monochromatische Muster auf futursitisch wirkenden Jacken mit ausgestellten Ärmeln, Culottes aus Seide oder ein bodenlanges schwarzes Kleid aus Baumwolle. In Badelatschen und ledernen Beinschonen tritt die weibliche Guerilla atemberaubend auf den Laufsteg. Ihr Defilee: Eine dokumentarische Aufzeichnung von skulpturalen Stoffstudien. Im Hinterkopf den kommerziellen Pfad der Mode behaltend, bereichtert sie uns von alltagstauglicher bis hin zu innovativen Kleidungstücken. Der Grundsatz von ethish korrekter Unisex-Mode unterstreicht unsere aufschäumende Liebe!

Nach der Show schnappten wir uns unser neues Favorite, führten sie zur nächsten Eisbude und philosophierten über Matrix, Asien und die Gabe des Handelns:

://CC: Wie fühlst du dich jetzt nach der Show, Pearly?

PEARLY: Ich fühl mich so befreit und glücklich. Kann es aber kaum erwarten die Aufnahmen der Show zu Gesicht zu bekommen! Ich gehe immer sehr hart ins Gericht mit mir, es wird glaube ich nie einen Punkt geben, an dem ich anstandslos glücklich mit meiner Arbeit sein werde.

://CC: Ich kenne das Gefühl zu gut! Denke aber das es allen Künstlern so ergeht, niemals das Gefühl von absoluter Zufriedenheit zu erreichen. Deine Spring Summer Kollektion war weitestgehend mit Schwarz, weißen Stoffen und Mustern besetzt, nicht gerade eine Farbe, der ich dieser Saison zusprechen würde. Obwohl ich komplett in schwarz gekleidet bin!

PEALRY: Ich auch!!

(beide lachen)

://CC: Mit diesen Farben arbeitend, was waren deine Gedanken bei deinem Schöpfungsprozess?

PEALRY: Die Geschichte hinter meinem Label verbirgt sehr minimalistische Farbgebungen. Monochromatisch, viel Schwarz Weiß und Grau. Diese Saison war ich ein bisschen experimentierfreudiger. Mich selber provozierend und auf die eine positive Reaktion meines Publikums hinarbeitend, habe ich dieses mal Blau und geometrische Formen in der Kollektion verarbeitet. In der Wintersaison werde ich aber definitiv wieder zu Schwarz und Weiß zurückkehren, eine Richtung, die mein Klientel sehr schätzt.

://CC: Wie würdest du dein Klientel denn beschreiben?

PEALRY: Sie ist das Model Off-Duty oder ein Student der Mode-Akademie, sehr edgy. Sie hat ihren eigenen Sinn für Mode.

://CC: Deine zweite Saison in Berlin liegt nun hinter dir. Verglichen mit deinen Erfahrungen in Asien, wie empfindest du den deutschen Umgang mit der Mode?

PEARLY: Ihr habt vier Saisons, welche wir in Malaysia nicht haben. Ich könnte Jacken machen, die sich letztendlich sogar verkaufen würden. In Asien dienten sie nur für die Show und um meinen Namen rauszubringen. Aber tragen könnte man sie nur hier in Berlin zum Beispiel.

://CC: Die Asiaten mag man meinen sind aber experimenteller, wenn es um Mode geht oder?

PEALRY: Ja das stimmt, das sind sie! Aber ein Asiate wird auch bei 40 Grad keine Jacke mehr anziehen. Dennoch habe ich einige meiner Inspirationen aus der asiatischen Kultur entnommen. Die drapierten Looks finden sich in der japanischen Avantgarde wieder, von welcher ich eine große Bewunderin bin.

://CC: Hast du bestimmte asiatische Persönlichkeiten, aus denen du deine Inspiration schöpfst?

PEALRY: Die meiste Inspiration schöpfe ich aus Science-Fiction Filmen.

://CC: Nice! Dein Lieblings Film?

PEALRY: Ich würde Matrix sagen! Und ja ich weiß es ist super kitschig, aber ich gucke mir den fast täglich an!

://CC: Matrix kann aber auch seine düstere Seite haben, trägt diese Thematik etwas zu deinem Label bei?

PEALRY: Ich versuche nicht zu darky zu werden, um nicht als alternatives Label abgeschrieben zu werden. Ich bewege mich gerne am Rande des Kommerziellen. Die weißen Kleider zum Beispiel sind genau für diese Kundschaft kreiert worden.

://CC: Unser Magazin legt großes Augenmerk auf die Jungen der Kreativszene. Wenn du dein Ich, welches am Anfang einer Label-Gründung steht, welche Ratschläge könnte dein früheres Ich von dir erwarten?

PEALRY: Ich habe in New York studiert. Sehr präsent sind noch immer die Eindrücke der Cool Kids, die mit ihren All Black Outfits, ihren schwarzen Lederjacken und Kniestrümpfen durch Brooklyn stolzierten. Ich denke es hilft einem ungemein in einem Ort wie diesem zu leben. Jugend, Künstler und Architektur sind Attribute, die mir speziell sehr weiter geholfen haben!

://CC: Jeder erreicht mal diesen Punkt, an dem man kurz vorm Aufgeben steht. Wie gehst du damit um?

PEALRY: Prävention! Jeder braucht eine Traum, der sich zu einer Passion entwickelt. Die meisten Kreativen vernachlässigen einen strukturierten Business-Plan, denn deine Passion allein wird dich nicht weit bringen. Man kann immer ein Künstler sein, aber man muss sich schon auf längerer Sicht über Wasser halten können. Wenn man selbst nicht in der Lage ist sich einen Plan aufzustellen, muss man sich einen suchen, der einem helfen dabei helfen kann.

://CC: Also würdest du das Annehmen von Hilfe auch empfehlen?

PEALRY: Klar! Ich zum Beispiel bin eine schlechte Geschäftsfrau, habe aber wundervolle Menschen die mir diese Arbeit abnehmen.

://CC: Same problem! Ich gebe meine Arbeit immer für zu wenig her. Man darf besonders in dieser Industrie nicht zu nett sein, es sei denn man will auf der Stelle stehen bleiben.

PEALRY: Amen!

://CC: Was sind deine Pläne für die Zukunft? Bleibst du hier in Berlin oder hast du deine Augen schon ganz woanders?

PEALRY: Ich will unbedingt nach London oder Paris ziehen. Jetzt im Moment bin ich mehr als glücklich hier sein zu dürfen.

://CC: Um dann für ein anderes Haus zu arbeiten oder bleibst du deinem treu?

PEALRY: Ich glaube ich könnte für anderes Haus arbeiten. Mein innerer Künstler würde mich dazu auffordern, um mir selber eine neue Hürde zu setzen. Ohne Hürden gibt es keinen Fortschritt.

PearlyDesigner

Sadak #mbfwb

sadolaEs erwartet uns ein Aufgebot männlicher Models in auffälligen islamisch inspirierten Designs. Eine männliche Gestalt in Burka gekleidet wandelt auf den Laufsteg, das Ganze umrahmt von Hip Hop Musik. Kubistische Sonnenbrillen entziehen dem Look die Ernsthaftigkeit, der Rücken entblößt und nur von weißen, bedruckten Bändern zusammengehalten, birgt Tendenzen von homoerotischen Zügen. Es offenbaren sich luxuriöse Stoffe in blauen und pinken Pastelltönen, welche mit kontrastreichem Schwarz und purpurnem Lila kombiniert werden. Baggy-Hosen verschmelzen mit Oversized-Shorts; hochgeknöpfte Hemden mit Bändern, die mit Schriftzügen wie »Pull here if u love me« bedruckt sind, erinnern an Hershey Kisses.

Dekonstruierte Blazer, kombiniert mit an Knöchel geketteten Chokers zerreißen Gender, wie es nur von wenigen gekonnt zu erwarten wäre. Sashas Print-Arbeit ist beachtlich: Goldene Reifen, ein in pinke Burkas gekleidetes Pärchen und die infamen 90er Fototapeten avanciert er in illustre Cybertraumwelten, die in der gesamten Kollektion wiederzufinden sind.

Gestylt von Marc Göhring, unterstreicht er die Kollektion mit Kettenschmuck, um uns Hungernden noch die letzte Kirsche auf das überfüllte Sahneeis zu setzen.

sadal22

Sasa Kovacevic, einer der stärksten Vertreter der subkulturellen Schöpfungen in Berlin, ist im Kontrast dazu eine lockere und angenehme Gestalt. Beobachtet man ihn im Chaos des Backstage-Bereichs, ist er gelassen ruhig und besonnen. Nach seiner Show haben wir uns mit ihm zusammengesetzt. Über die Rolle der Frau, Marina Abramovic und die aufkommende Generation von jungen Kreativen gesprochen.

://CC: Die letzte Saison hast du viel mit warmen Farben gearbeitet, Orange war die dominanteste in dieser Kollektion. Dieses mal waren Pink und Blau dran. Auch viele Referenzen zum Islam waren vorzufinden. Wie hast du deine Idee entwickelt, was war die Identität deiner Kollektion?

SASA: Als erstes entwickle ich immer den Print der Kollektionen, für mich hat er die größte Bedeutung. Während dieses Kreationsprozesses entwickeln sich immer schon Tendenzen. Verschiedene Kulturen spielten von jeher eine große Rolle in meiner Findungsphase, besonders die Kulturen, die mit meiner verankert sind. Der Islam gehört dazu, vielleicht nicht so stark wie andere Kulturen, wenn man bedenkt, dass ich aus einem Ex-Jugoslawischem Land komme. Dieser Vorgehensweise bleibe ich eigentlich immer treu.

://CC: Und deine Intention?

SASA: Meine Intention hinter dieser Kollektion war es, ein postmodernes Bild des Islams zu schaffen. Zu Beginn sammelte ich traditionelle Bilder und Malereien, die ich aber schnell verworfen habe, um meinen Blick moderneren, zeitgenössischeren Interpretationen zuwenden zu können. Letztendlich habe ich meine größte Inspiration aus dem Internet geschöpft.

://CC: Wie du schätze ich den Islam auch sehr und genieße viele Aspekte dieser so reichen Kultur. Seit einer Weile steht der Islam leider nicht nur wegen seines kulturellem Reichtums im Vordergrund, sondern vor allem auch wegen des Islamischen Staats. Haben dich die Vorkommnisse in deiner Arbeit beeinflusst?

SASA: Ich folge diesem Geschehen nicht wirklich. Nachdem ich die Kollektion entworfen hatte, besuchte ich lediglich Doha, mein erster Besuch im Nahen Osten. Ich erinnere mich noch an meinen gespannten Zustand vor Antritt der Reise. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die Stadt war hoch komplex und an Modernität kaum zu übertreffen. Sie glich einer Cyberwelt und verdeutlichte mir den Diskurs von Moderne und Tradition, dem ich in dieser Kollektion nachgehen wollte.

://CC: Du hast schon erwähnt, dass dein kultureller Hintergrund maßgeblichen Einfluss auf deine Arbeit hat. Spiegelt sie sich auch in deinem alltäglichem Leben wieder oder beschränkt sie sich auf deine Arbeit?

SASA: Natürlich! Die meisten meiner Konversationen beginnen mit dem Hinterfragen der Herkunft. »Wo kommst du her?«, »Was machst du hier?«. Ich konzentriere mich oft darauf, was mein Hintergrund zur Gesellschaft beiträgt oder inwiefern die Gesellschaft, in der ich mich befinde mich beeinflusst.

://CC: Während deiner beeindruckenden Show habe ich mich in die Bänder verliebt, Redewendungen wie: »ME + YOU = LOVE« oder »IF YOU LOVE ME PULL!« waren aufgedruckt. Sie erinnerten mich ein bisschen an die Hershey Kisses, die man in den Staaten an jeder Ecke findet.

(beide lachen)

SASA: Burkas werden immer als etwas sehr traditionelles und begrenzendes gesehen. Ich empfinde sie auf eine Art und Weise befreiend, denn man kann sich hinter ihnen verstecken. Die Bänder fungieren als Aufforderung mich zu entdecken. Zieh dran und ich offenbar mich dir!

://CC: Absolut! Manche sagen Burkas würden die Identität der Frauen unterdrücken. Ich kann diese Aussage nur zu Teilen bekräftigen. Was die westliche Kultur oft vergisst ist, dass die Identität der Frau nicht auf ihren reinen Körper limitiert ist, sondern weit darüber hinaus geht. Ich empfinde dieses Konzept als sehr bemerkenswert in deiner Kollektion und hoffe, dass sie auch beim Publikum ankommt.

SASA: Ja! Bitte!

://CC: Lass uns noch weiter gehen. Hast du jemals den Gedanken gehabt, wie die rezitierten Kulturen selbst auf deine Arbeit reagieren?

SASA: Das ist witzig, dass du mich das fragst. Erst vor kurzem habe ich eine Mail vom Ethnographischen Museum der Künste in Belgrad bekommen. Ich habe dort mal eine Art Praktikum absolviert. Sie haben mich sehr für meine Arbeit kritisiert, meinten ich hätte falsche Referenzen benutzt. Ich habe diese negative Antwort auf meine Arbeit nicht verstehen können, es gibt nicht nur einen Weg eine Kultur zu beschreiben, sondern so viele mehr! So viele Wege, Einflüsse und tief verwurzelte Traditionen, die unmöglich nur auf eine Art zu beschreiben sind. Beschäftigt man sich erst mal mit einer Kultur, eröffnet sich das ganze Farbspektrum dieser.

(Ein kurzweiliges, in gedankenvertieftes Schweigen tritt ein)

Und genau dieser Gedanke ist in jedem Teil meiner Kollektion manifestiert. Ich habe darüber nachgedacht nur mit Schwarz zu arbeiten, aber die Menschen hätten nicht darauf reagiert, wie ich es gewollt hätte, es hätte ihnen nicht den Facettenreichtum nahe legen können.

://CC: Deine künstlerische Selbstverwirklichung scheint frei von jeglichen Konventionen zu leben. Denken wir an deine Landesgenossin Marina Abramovic oder viele weitere Künstlern, die in ihren Ländern für ihre Arbeit oft mehr als nur kritisiert werden. Auf diese Probleme blickend, was würdest du der jüngeren Generation von Kreativen mitteilen wollen?

SASA: Man sollte sich und seiner Identität immer treu bleiben. Diese beiden Komponenten sind der Ursprung aller Ideen. Sie basieren auf deinem Hintergrund, deiner Familie und deiner Vergangenheit. Wir sind alle Individuen, die versuchen sich in jeglicher Art und Weise in unserer Gesellschaft zu etablieren. Wir sollten mehr mit unseren eigenen Augen schauen. Für mich ist es sehr deutlich woher ich komme, seit ich denken kann benutze ich meine Herkunft als Referenz, sie hat größte Bedeutung für mich. Die jüngeren Generationen sollten auf sich beruhen und nicht auf die Normen der Gesellschaft oder anderer.

sasaiv

 

 

 

SOPOPULAR #mbfwb

Sopopular_Titel

»The Last March Before Victory« ist der Titel der Kollektion SS 16 vom Berliner Menswear Label SOPOPULAR, die gestern offiziell Opener der Mercedes Benz Fashion Week war.

Die gesamte Kollektion ist inspiriert vom zeitgenössischen Asien, so finden sich etliche Elemente aus der japanischen Kultur und fernöstlichen Kampfkultur in den Outfits wieder. Im Detail lässt sich einiges entdecken wie kragenlose Mäntel, verdeckte Knopfleisten und Kimono-Styles, kombiniert zu Leder-Shorts. Asymmetrische Schnitte, Shoulder-Cutouts und Layering-Looks stehen im markanten Kontrast zu militärischen Elementen. Die cleanen Silhouetten vereinen stark definierte Formen mit einem Hauch majestätischer urbaner Elemente.

Immer wieder tauchen Brüche auf, so sind Wollpullis in zerrissener Grunge-Optik Bestandteil der Kollektion als auch Shirts in Vogelfell-Optik. Farblich definieren sich die Outfits in klaren Kontrasten aus Schwarz, Weiß, Off-White und Oliv. Kontrastgebend zu den hochgeschlossenen Styles im Asia-Look sind tiefe V-Necks, die teils fast off-shoulder geschnitten sind.

Unser Highlight: Ein ärmelloses PVC-Hemd, das kombiniert über schwarzem Hemd und Jeans mit Knie-Cutouts im Dirty Look einen starken Streestyle abgibt.

Wir denken, eine durchaus gelungene Kollektion mit überaus konträren Looks aus einem alternativen Materialmix, die per eigener Definition des Labels Unabhängigkeit, Selbstbewusstsein und unbeirrbare Freiheit widerspiegeln. Kleines Manko allerdings der Grungy Look – offen gesagt etwas hasbeen und leider schon viel zu oft gesehen.

Sopopular_Übersicht